Montag, 3. September 2007

Meran in Südtirol

Meran in Südtirol hat eine bewegte Geschichte und mehrere Leben hinter sich. Im ersten Leben war Meran die Hauptstadt Tirols, Sitz des mächtigen Adelsgeschlecht der Tiroler Grafen, die ihr Herrschaftsgebiet von Bayern bis zu den Grenzen der Republik Venedig ausgedehnt hatten. Meran kontrollierte den Warenstrom der Handelsherren aus Augsburg, Regensburg und Nürnberg mit den italienischen Städten. Reich machte nicht nur der Handel und die Zölle. Große Silbervorkommen spülten Geld in die Stadtkasse. Das glücklichste Jahrhundert war wohl zwischen 1320 und 1420. Diese Epoche der Stadtgeschichte prägt noch heute das Gesicht der Meraner Altstadt: Die Ansitze der Handelsherren und des regionalen Adels; Die Lauben (Bogengänge entlang der Häuser) durchziegen ganz Alt-Meran. Zu der Zeit bildet sich sogar ein Speckgürtel um die Stadt, wie in Ober- und Untermais, die heute Stadtteile Merans sind.

Nach Verlegung der Residenz nach Innsbruck, weg von Meran, begann der wirtschaftliche Niedergang. Nach und nach zog Bozen Markt und Handel an sich und der Abbau der Bodenschätze war nicht mehr rentabel. Meran verarmte. Auch die Bautätigkeiten wurden augenscheinlich für ein halbes Jahrtausend eingestellt. Barock sucht man beispielsweise in Meran vergeblich.

Ein dicker Kuss des Zufalls leitete Mitte des 19. Jahrhunderts die Wiederbelebung ein. Dr. Johann Huber, Leibarzt der Fürstin mathilde zu Schwarzenburg, gab 1836 eine Schrift heraus, in der er Meran als Luftkurort empfahl. Die Wiener Gesellschaft pilgerte nun zum Kuren in den Süden Tirols. Der Rat und die Bürger der Stadt bewiesen Weitsicht und investierten in den aufkeimenden Tourismus. in den 70iger Jahren des 19. Jahrhunderts verbrachte die als Sissi bekannt gewordene Kaiserin von Österreich zusammen mit dem europäischen Hochadel den Winter in Meran. Ein regelrechter Boom begann. Ab 1881 schaffte die Bahn von Bozen aus auch bürgerliche Gäste in die Stadt.

Das zweite Leben von Meran dauerte bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges. Danach war die Welt auf den Kopf gestellt. Meran gehörte nun zu Italien, der Glanz der K & K Monarchie erloschen und die Weltwirtschaftskrise erstickte den bürgerlichen Tourismus. Ein zweiter Dornröschenschlaf überfiel Meran.

Erst langsam erholte sich Meran in den 50iger und 60iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Der Tourismus ist heute wieder ein wichtiges wirtschaftliches Standbein, doch der Glanz vergangener Tage konnte nicht mehr hergestellt werden. Vielleicht ist jedoch gerade dieser Mittelweg ein Glücksfall, wer weiss …

Autor: Matthias Süß - suess@seo.ms