Saftig grün. Oder karg und staubig. Zyperns Landschaften präsentieren sich sehr abwechslungsreich: Steilküsten, Dünen, Salzmarschen, ein zerklüftetes Hügelland und den Lavagürtel bis zum Hochgebirge des Troodos. Ideale Voraussetzungen für eine besonders artenreiche Flora mit vielen einheimischen (endemischen) Arten. Und ideale Voraussetzungen für einen Wanderurlaub.
Zypern ist die waldreichste Insel im gesamten Mittelmeerraum. Fast ein Fünftel ist mit Wäldern bedeckt. Das Landschaftsbild wird von Zypressen, Oliven- und Johannisbrotbäumen geprägt. Im Troodos-Gebirge – quasi dem Schwarzwald Zyperns – wachsen Aleppo-Kiefern, Pinien, Platanen, Zedern und Steineichen. An den flach abfallenden Ränder des Troodos gibt es zahllose Obstbäume, dazu Mandel- oder Nussbäume. Schatten spenden lauschige Zitrus- und Olivenhaine. Sie laden den Wandersmann und natürlich seine Begleiterin zur Rast.
Ja, Zypern ist ein wunderbares Gebiet zum Wandern – zu jeder Jahreszeit. Zahlreiche, schön angelegte, gut gepflegte und bestens ausgeschilderte Wanderwege und Naturlehrpfade. Für jede Kondition, für jedes Alter und wohl auch für jeden Geschmack.
.. ABER …
Es gibt einen schwer wiegenden Nachteil, den wir nicht verschweigen wollen: Die wenigsten Wanderwege sind als Rundweg angelegt. Das gilt auch für den sehr empfehlenswerten Kalidonia-Trail, der dem Flussufer des Kyros Potamos folgt und andere, so genannte Nature Trails im Troodos-Gebirge. Wer es gemächlicher mag, bevorzugt eine halbtägige Wanderung auf der reizvollen Akamas-Halbinsel und besichtigt zum Abschluss der fast ebenen Tour mit permanentem Meerblick vielleicht noch das Bad der Aphrodite (nahe Polis). Rundwege sind auf Akamas recht gut zu organisieren.
Viel Ausgangs- und Endpunkte sind allerdings kaum mit dem Linienbus zu erreichen. Das zwingt entweder dazu, den gleichen Weg hin und zurück zu gehen, oder sich ein – recht teueres - Taxi an das Wanderziel zu bestellen. Selbstverständlich sind auch andere Lösungen denkbar. Doch ohne logistischen Aufwand ist ein Wanderurlaub auf Zypern kaum möglich. Da bucht manch Urlauber lieber gleich eine Gruppenreise oder greift auf die zahlreichen Angebote für geführte Wanderungen der lokalen Hotels zurück. Selbstverständlich auch in deutscher Sprache. Schade, auch das Wanderkartenmaterial – viele nur im Maßstab 1:60.000 – ist nicht optimal.
Wanderwege: Eine kleine Auswahl
Akamas-Halbinsel: Der Smigies-Wanderweg beginnt am bisweilen lebhaften Picknickplatz 2,5 km außerhalb von Neo Chorio. Der flache, 5 km lange Rundwanderweg bietet in östlicher Richtung reizvolle Ausblicke auf die Bucht von Polis und den Wald von Pafos. Nach Westen erstreckt sich die Lara-Bucht. Etwas kürzer ist der Pissouromouttis-Wanderweg (3 km), der an zahlreichen Wachholderbüschen, Pistazien und einer – je nach Jahrezeit – vielfältigen Pflanzenwelt (Orchideen!) vorbeiführt. Auch Vogelbeobachtung ist möglich.
Sportlich anspruchsvoller sind die Wege im Troodos-Gebirge. Fünf unterschiedliche Strecken von 3 bis 12 km sind in dem knapp 10.000 Hektar großen Troodos National-Wanderpark angelegt. Mit seinen über 700 Pflanzenarten wird er auch als „botanischer Garten von Zypern“ bezeichnet. Der höchste Punkt im Troodos ist übrigens der Olymp (1952 m), der niedrigste der Moni-Wald (700 m).
Im Troodos
Sehr empfehlenswert ist der steinige und bisweilen etwas steile Kalidonia-Wanderweg (3 km, sehr gut beschildert, festes Schuhwerk,!). Er beginnt etwa 700 Meter entfernt von der Strasse Troodos-Platres in der Nähe der traditionellen Sommerresidenz der zyprischen Staatspräsidenten. Alternativ ist er über einen 2 Kilometer langen Waldweg zu erreichen, der etwas abseits der Touristenstraße beginnt. Wie schon erwähnt: Der Wanderer muss sich (leider) Gedanken über die Weiterreise nach erreichen des Tagesziels machen. Wer bergab steigt wird kurz vor dem Ziel mit dem Anblick der die Kalidonia-Wasserfälle belohnt.
Ambitionierte Wanderfreunde können die 12 km des Atalanti-Wanderwegs zurücklegen. Die Wanderung dauert knapp drei Stunden und umrundet den Chionistra (Olymp) in einer Höhe von 1700 bis 1750 m. Der Weg führt durch einen dichten Schwarzkiefernwald. Am Wegesrand auch viele Wacholderbäume, von denen der größte über 800 Jahre alt sein soll. Am Wegesrand befindet sich auch eine 1982 stillgelegte Chrom-Mine. Bei gutem Wetter ist der Panoramablick über die Insel überwältigend. Azurblaues Mittelmeer hinter dunkelgrünem Nadelwald. Zypern pur – wo die Götter zwar nicht wandern, aber bekanntlicherweise Urlaub machen.
Die Fremdenverkehrszentrale Zypern hat eine Übersicht mit den Wanderwegen auf Zypern zusammengestellt. Diese kann dort kostenlos angefordert werden (Telefon 069 / 25 19 19).
Autor: Andreas K. Bittner - wolff@urlaub.de
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